Die anderen waren mit ihren Pferden schon einige Meter voraus. Weit genug, dass Big T sie meist nur noch kurz zwischen den Bäumen auftauchen sah, wenn der Weg eine Kurve nahm und dann wieder hinter dichtem Grün verschwand. Manchmal trug die Luft den Hall eines Lachens zu ihr zurück oder den Klang einer Stimme, doch die Worte selbst erreichten sie nicht. Hier und da zeigte sich für einen Augenblick eine Baseballkappe zwischen den Bäumen, sie konnte erkennen, dass einer sprach und der andere zuhörte, aber der Abstand verwandelte alles in ein fernes Hintergrundrauschen. Big T gefiel das.

Jacky schien diese Haltung zu teilen. Der junge Quarter Horse Wallach trottete in seinem gewohnten, gemächlichen Schritt den Waldweg entlang, den Kopf tief, die Ohren entspannt, als hätte sich die ganze Welt darauf geeinigt, sich seinem Tempo anzupassen. Wer ihn so sah, hätte kaum geahnt, wie viel Geschwindigkeit in ihm steckte. Dasselbe Pferd, das jetzt wirkte, als würde es beim Gehen gleich einschlafen, konnte sich im nächsten Augenblick in eine fliegende Mischung aus Muskeln, Staub und donnernden Hufen verwandeln, sobald ein anderes Pferd los galoppierte. Doch heute Abend hatte niemand es eilig. Der Weg schlängelte sich ruhig durch die Wälder rund um die Ranch, und Jacky schien beschlossen zu haben, dass dort draußen nichts auf sie wartete, wofür es sich zu beeilen lohnte.

Die alten Lederzügel lagen locker in Big Ts Hand. Über die Jahre waren ihre Oberflächen immer glatter geworden, während die schmalen, dunklen Kanten mehr und mehr ausfransten. Viel zu lenken gab es ohnehin nicht. Der gleichmäßige Rhythmus von Jackys Schritten stieg durch den Sattel in ihren Körper hinauf. Bei jedem Schritt knarrte der schwere Ledersattel leise aber konsequent vor sich hin. Es war eines dieser Geräusche, das sie so oft gehört hatte, dass es zum Reiten einfach dazugehörte. Es vermischte sich mit den knirschenden Hufen auf Kies und Wurzeln, mit dem Rascheln der Blätter über ihr und dem gelegentlichen Knacken eines Zweiges unter einem unaufmerksamen Pferdefuß.

Über dem Weg spannten sich lange Äste von einer Seite zur anderen und bildeten ein unruhiges Dach aus Blättern. In ständig wechselnden Mustern fiel das Sonnenlicht durch sie hindurch, ohne je an einer Stelle stehen zu bleiben. Es wanderte über Jackys dunkelbraunes Fell, blitzte kurz an dem silbernen Beschlag am Sattelhorn auf, glitt über ihre Jeans, verschwand und tauchte einen Augenblick später an anderer Stelle wieder auf. Jeder dieser kleinen Sonnentupfer brachte für einen kurzen Moment eine sanfte Wärme auf Big Ts Haut, ein beständiges Kommen und Gehen. Die breite Krempe ihres schwarzen Hutes fing das meiste Licht ab, bevor es ihre Augen überhaupt erreichte. Er hatte sie schon auf so vielen Ausritten begleitet, dass er längst mehr war als ein nützliches Kleidungsstück. Er gehörte einfach dazu. Er saß auf ihrem Kopf, wie er es immer tat, schützte ihre Augen vor dem ständigen Wechsel aus Licht und Schatten und ihr Haar vor Staub und Wetter.

Immer mal wieder ragte ein dünnerer Ast tiefer in den Weg hinein. Dann senkte sie einfach leicht den Kopf und ließ die Hutkrempe durch die Blätter streifen, während die weichen Zweige mit einem sanften Kratzen über sie hinwegzogen. Viel mehr gab es meistens nicht zu tun oder zu sehen. Dort, wo die Sonne bis auf den Boden fiel, schwebten manchmal dunkle Wolken aus Insekten über dem Pfad. Auch dann nahm sie beinahe schon instinktiv den Kopf nach unten und überließ dem Hut die Begegnung mit den Tierchen, während Jacky ruhig hindurchlief. Nur seine zuckenden Ohren zuckten verrieten, dass sich eine Fliege dorthin verirrt hatte und ihn ärgerte.

Der Wald veränderte sich ständig. Ein Abschnitt roch nach warmem Unterholz und trockenem Grün, das den ganzen Nachmittag in der Sonne gelegen hatte. Wenige Meter weiter wurde die Luft unter dichterem Blätterdach spürbar kühler, und plötzlich waren da feuchte Erde, Laub, Baumrinde und irgendwo zwischen den Bäumen der Geruch von Wasser. Die Unterschiede waren nicht groß, aber deutlich genug, als dass Big T sie nicht bemerkt hätte. Der Wald blieb derselbe, und doch schien jeder Abschnitt des Weges eine eigene kleine Welt zu sein.

Jacky stolperte kurz über eine Wurzel. Nicht schlimm. Gerade genug, um einen kleinen Ruck durch den Sattel zu schicken und sie daran zu erinnern, dass Aufmerksamkeit nicht unbedingt zu seinen größten Stärken gehörte.

Big T lächelte und streckte automatisch die Hand nach vorn. Das alte Leder protestierte kurz, als sie ihr Gewicht nach vorne brachte. Jackys Fell glitt warm unter ihrer Hand entlang. Das kurze Haar war samtig weich und glatt, trotz der feinen Staubschicht, die sich obligatorisch auf Jacky und in seiner schwarzen Mähne gesammelt hatte. Als sie sich wieder aufrichtete, strich sie die staubige Hand einmal flüchtig auf dem Oberschenkel ab und ließ den Arm anschließend wieder locker neben sich herabhängen.

Der Weg zog sich weiter zwischen den Bäumen hindurch. Nach einer Weile lehnte sie sich ein wenig im Sattel zurück und ließ den Blick nach oben wandern. Von dort unten wirkten die hell- und dunkelgrünen Blätter beinahe lebendig. Unaufhörlich bewegten sie sich vor dem Blau des Himmels, während Sonnenlicht in hellen Splittern zwischen ihnen aufblitzte. Sie konnte ihnen lange zusehen, ohne dass es langweilig geworden wäre. Eine alte Sonnenbrille, die schon bessere Tage gesehen hatte, nahm dem Licht die Schärfe und erlaubte ihr, einfach hinaufzuschauen, ohne ständig blinzeln oder den Blick wieder senken zu müssen.

Während sie nach oben schaute, legte sie eine Hand hinter sich auf Jackys Kruppe, hinter den Sattel, und spürte sofort den Unterschied. Durch den Sattel kamen seine Bewegungen weich und fließend bei ihr an. Dort hinten jedoch waren sie unmittelbarer. Jeder Schritt übertrug sich durch die Muskeln unter ihrer Hand direkt in ihren Arm und weiter durch den Rest ihres Körpers. Die Bewegung war deutlicher, kräftiger, ungefilterter – und trotzdem angenehm. Sie fühlte die Verbindung zu ihm noch bewusster, spürte die Kraft, die sie beide vorantrug.

Lange blieb sie genau so sitzen, halb zurückgelehnt im Sattel, die Zügel locker in einer Hand, die andere abgestützt auf Jackys Kruppe hinter sich. Der Weg zog ruhig unter ihnen dahin, während sie die Welt um sich herum einfach vorbeiziehen ließ. Vor ihr tauchten die anderen gelegentlich zwischen den Bäumen auf und verschwanden kurz darauf wieder hinter der nächsten Biegung. Ihre Gespräche blieben fern und undeutlich. Das Leder quietschte leise weiter vor sich hin. Der Wald wechselte seine Stimmung. Eine leichte Brise bewegte die Baumkronen über ihr. Und Jacky ging einfach weiter.

Am Ende des Weges wartete kein Ziel. Es gab nichts, das erledigt werden musste, keinen morgigen Tag, über den sie nachdenken musste, keinen Grund, weiter vorauszuschauen als bis zur nächsten Biegung zwischen den Bäumen. Da waren nur Jacky, dieser Wald, den sie so liebte, das vertraute Gewicht der Zügel in ihrer Hand und die schützende Krempe ihres Hutes über den Augen.

Und für eine Weile war das genug.